Frau Single 35

Andererseits hat sie als Single das Gefühl, dass im Privatleben alle an ihr vorbeiziehen - und wünscht sich nun plötzlich einen Mann, der sie in ein fernes Land mitnimmt. Aber Annas Widersprüche sind nicht nur ihre eigenen. Sie zeigen, wie es noch immer - gerade für Frauen - anstrengend sein kann, sich gegen gesellschaftliche Normen zu wehren und den eigenen Weg zu finden. Ich habe geantwortet, dass ich wegen des Jobs hier bin. Und wieder kam die Frage: Da kommt man doch nicht allein hierher, wo ist denn Ihr Mann?

Mein Lebensfokus war immer auf Beruf und Karriere gerichtet. Und ich glaube, das macht mich gerade auch so unzufrieden. Denn ich merke, dass diese Struktur, die ich mir aufgebaut habe, so nicht mehr funktioniert. Jetzt langsam begreife ich: Ich bin stolz auf die Doktorarbeit, auf die Forschungspreise, darauf, dass ich zur Frankfurter Buchmesse eingeladen werde. Aber es macht mich nicht glücklich.

Und wenn ich dann beim Auswärtigen Amt arbeiten würde, fänden mich alle toll. Und jetzt mit 35 denke ich, vielleicht ist es das gar nicht. Ich habe zwei Preise gewonnen, habe einen leitenden Posten an der Hochschule, und natürlich reise ich deshalb auch viel. Ich habe viel zu viel auf das geschaut, was andere von mir denken und was die von mir wollen und bisher eben erschreckend wenig darüber nachgedacht, was ich eigentlich will.

Ich habe bis jetzt die Stellenausschreibungen durchgesehen und mir immer gesagt: Ich will mich offenbar nicht damit auseinandersetzen, was ich wirklich will. Ich kann auch jetzt nicht sagen, ob ich ein Kind will. Aber ich denke immer, wenn es passieren soll, dann passiert es. Und ich bin dadurch nicht mehr oder weniger glücklich. Die anderen haben ihre Kinder gekriegt und haben geheiratet und ein Haus gebaut, und ich bin halt an einer anderen Stelle angekommen. Und das war zwischen 25 und 30 noch nicht so extrem, da waren wir alle ähnlich unterwegs: Studium, erster Job, das war bei uns allen Thema.

Wenn jetzt alle verheiratet sind, wer bleibt dann noch für mich übrig? Aber es ist eben schon mein Wunsch, dass ich einen Partner habe. Ich fühle mich hier manchmal sehr einsam und mache mir Gedanken. Wenn jetzt alle verheiratet sind und Kinder haben, wer bleibt dann noch für mich übrig? Meine Unabhängigkeit ist ganz sicher hinderlich bei der Suche. Ich will den Typen nicht bewundern. Aber ich glaube, damit kommen viele Männer nicht klar.

Ich will auf Augenhöhe wahrgenommen werden. Wenn ich Männer treffe, haben die alle schon eine Frau, die zu Hause die Kinder hütet, während der Mann durch die Welt tingelt, sich selbst verwirklicht, seinem Beruf nachgeht und abends dann auch noch manchmal nette Kolleginnen ausführt. Meine Mutter sagt, diesen Mann, der mich auf Augenhöhe trifft und der mein Leben teilt, gibt es nicht. Also ein bisschen muss ich ihr recht geben: Zumindest in Schmalkalden gibt es den nicht.

Meine letzte Partnerschaft ist kaputtgegangen, weil er ganz klar gesagt hat: Nicht irgendeinen dahergelaufenen Autogrammjäger. Mit Arroganz hat das nichts zu tun, viel mehr sucht Kylie Minogue einfach einen Partner auf Augenhöhe. Und damit haben Kylie und meine Freundin Karen, 36, Journalistin aus Hamburg, dasselbe Problem. Frauen suchen, was Bildung und Beruf angeht, nicht gern unter ihrem eigenen Niveau, und da wird bei Akademikerinnen die Luft schnell dünn. Und da schreckt ein klares Ja auf die Kinderfrage auch noch den letzten Kandidaten ab.

Männer haben in dem Alter ja noch unendlich viel Zeit. Aber dafür gibt es ja seit einigen Jahren Online-Partneragenturen wie Parship. Da kann man seine Suche strategisch und flächendeckend in Angriff nehmen. Kylie ist dafür zu altmodisch, sagt sie zumindest. Ihr zweiter Job, neben ihrer Tätigkeit als Journalistin, ist der systematische und straff organisierte Männerfang. Dafür bekommt sie dann — je nach Suchfilter — Anzeige Partnervorschläge. Deswegen verbringt Karen ihre Freizeit jetzt vor dem Rechner.

Zehn Tage nach der Anmeldung tauscht sie mit sieben fremden Männern Nachrichten aus. Man versucht ja tolerant zu sein. Ein Date bekommen nur fünf. Alex am Freitag in der Mittagspause, Tom zum Feierabendbier, und auch am Wochenende stehen Kennenlernverabredungen mit Jens, Micha, Tim an. Ergebnisorientiert bei der Partnersuche Aber warum geht sie in der Zeit, die sie jetzt vor dem Rechner verbringt, nicht aus und wartet, bis ihr jemand über den Weg läuft? Man wisse noch nicht mal, ob sie ebenfalls auf der Suche sind.

Es ist nicht so, dass sie kein Herz hätte. Man muss die Kinderfrage ja nicht ganz am Anfang diskutieren. Im Zweifel wird der zarte Vogel Romantik von ihr mit dem Vorschlaghammer erledigt, wenn bei dieser Frage keine Einigkeit besteht. Wahrscheinlich hat sie recht: Es gibt ja auch keine halben Kinder. Und sie will keine Affären, sondern den Mann fürs Leben.


Single-Leben: Frauen über 30 und die Partnersuche

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